10 Fragen an Johannes Killisperger

Wir hatten die Ehre ein Gespräch mit Johannes Killisperger, Kurierweltmeister und Kapitän des von Deliveroo gesponserten Teams MessPack, über sein Leben als Kurier, seine Erfolge und Empfehlungen für die Kurierwelt zu führen.
Johannes hat in Berlin als Kurierfahrer angefangen, lebt und arbeitet mittlerweile in Kopenhagen und hat letztes Jahr zum ersten Mal die Weltmeisterschaft in Frankreich gewonnen. Wir durften ihm 10 Fragen stellen.

Was hat dich dazu gebracht dein Hobby zum Beruf zu machen und Kurier zu werden?

Ich habe früher einen ganz normalen Bürojob gemacht und als Bautechniker wirklich gutes Geld verdient. Radfahren war für mich eigentlich immer ein Fortbewegungsmittel. Als ich dann allerdings nach Berlin gekommen bin hatte ich einen Freund der Radkurier war und ich war sehr interessiert. Im Endeffekt bin ich da eigentlich so reingerutscht. (lacht) Ich habe angefangen ein paar Tage zu fahren und der Rest hat sich entwickelt.

Bist du zu der Zeit schon Rennen gefahren?

Nein, überhaupt nicht. Angefangen Rennen zu fahren habe ich damals mit dem Alleycat im Treptower Park. Das war im Mai 2011. Da habe ich sogar gewonnen. (lacht)

Wow, sehr erfolgreich! Hattest du ein Vorbild?

Ich war immer sehr beeindruckt von Radkurieren, die diesen Job wirklich schon 10-20 Jahre lang machen. Das zeigt so richtig dass dieser Beruf auch auf Dauer funktioniert. Der Körper kann das mitmachen und man kann davon gut leben. Viele Leute denken Radkurier zu sein sei maximal ein Nebenjob, oder für Studenten. Das fand ich schon cool.

Gab es einen Moment an den du dich immer erinnern wirst, der deinen größten Erfolg für dich darstellt?

Auf jeden Fall gab es einige Momente!

Als ich mein allererstes Alleycats, oder das Jahr danach ein Rennen auf der Bahn gewonnen habe. Ich habe dann Tickets in die USA zu den Fahrradkurier Weltmeisterschaften 2012 in Chicago gewonnen. Das war wirklich cool. Ich war vorher nie in den USA gewesen und durfte dann gleich zu der Weltmeisterschaft und Kuriere aus der ganzen Welt kennenlernen. Besonders erfolgreich war ich dort nicht, aber das ganze drumherum war faszinierend.
Im Jahr darauf waren die Weltmeisterschaften in Lausanne, der Schweiz. Dort bin ich Dritter geworden und das war schon ein Wow-Moment. Das erste mal auf dem Podium stehen war sehr aufregend.

Und dann hast du ja letztes Jahr selber gewonnen!

Genau, letztes Jahr habe ich selbst gewonnen und das war natürlich der größte Moment bisher würde ich sagen!

Gab es irgendwann auch einen Moment an dem du dachtest jetzt schmeißt du alles hin und hörst auf?

Jaaaa, dass denk ich schon hin und wieder mal (lacht).

Echt?

Ja, wenn du so einen Wintertag erwischst an dem schon wieder Scheiß-Wetter ist, es regnet und deine Touren nicht zusammenpassen wollen, dann ist es schon manchmal puhhh…Aber am Abend ist es dann eigentlich schon wieder vergessen und man freut sich wieder auf den nächsten Tag. Aber in jedem Job hat man denke ich Tage, an denen man so denkt “ughh” (lacht)

Was treibt dich diese Woche nach Berlin?

Ich habe natürlich noch viele Verbindungen nach Berlin. Neben dem Privaten bin ich nach Kopenhagen gegangen, um etwas Neues zu erleben, eine neue Stadt kennenzulernen, neue Herausforderungen zu finden. Aber eine Menge meiner Freunde sind hier und ich denke darüber nach zum Herbst wieder nach Berlin zu ziehen. Berlin an sich hat etwas sehr reizvolles und zieht mich an.

Heute bin ich zum ersten Mal wieder eine Schicht als Kurier hier gefahren. Ich komme sogar direkt von der Arbeit, deswegen rieche ich vielleicht ein bisschen (lacht).

Hier ist einfach ein ganz anderer Verkehr, ich habe hier als Kurier angefangen und es macht einfach Spaß hier zu fahren.

Am Samstag bist du auch beim RadRace dabei, oder?

Ja genau. Das ist natürlich ein weiterer Grund für meinen Besuch.

Du hast schon erwähnst dass du früher Bautechniker warst, was machst du noch außerhalb der Arbeit?

Puh, also Radfahren ist schon der größte Teil meines Lebens. Seit ich angefangen habe so viele Rennen zu fahren, trainiere ich sehr oft. Ich hab halt schon einen gewissen Ehrgeiz dabei und das zieht Training nach sich. Kurierfahren ist zwar ein gutes Basistraining und verbessert die Ausdauer, aber man muss schon noch richtiges Training machen, den Puls hoch kriegen, Intervalle fahren. Im Winter fahre ich im Velodrom auf der Bahn und sonst mit Freunden. Jeden Mittwoch Abend machen wir eine Tour. Ansonsten versuche ich ein paar mal in der Woche Yoga zu machen und am Wochenende etwas Cooles zu unternehmen.

Du bist ja in Kopenhagen auch Foodmessenger…

Ja unter anderem. Ich habe eine Zeitlang nur als Foodmessenger gearbeitet für JustEat, kennt ihr ja bestimmt auch und dann hab ich einen Job bekommen bei der Kurierfirma bei der ich jetzt auch Eigentümer bin. Da machen wir eigentlich alles. Wir arbeiten auch für JustEat.

Hast du eine lustige Geschichte aus deiner Zeit als FoodMessenger?

Oha, ich weiss nicht. Es ist halt interessant und spannend was man für Leute trifft, zu sehen wer da alles bestellt. Ich male mir dann schonmal aus was das für Leute sind. Vor ein paar Wochen habe ich an Rihanna geliefert. Sie hat ein Konzert gespielt und hat dann ihr Klamotten ins Hotel bekommen.

Hast du zum Schluss einen Tipp für unsere Kuriere?

Immer konzentriert und vorausschauend fahren. Mit dem Schlimmsten rechnen. Konzentriert fahren ist denke ich das Wichtigste. Wenn man am Abend müde wird und anfängt rumzueiern packt man sich sonst schnell hin.